Die Währungsreform im Jahre 315 d.Z.

I. Der Falachit-Kristall

Bis zum Jahre 315 n.N. waren die grünen Falachit-Kristalle das einzige Zahlungsmittel auf dem pragorischen Halbkontinent. Sie bildeten eine Alternative zum normalen Warentausch und waren bei allen Händlern angesehen, da man ihnen unter anderem auch geringe magische Wirkung nachsagte.
Gewonnen wurde der Falachit in den Kristallminen im Moosgebirge, dem sie indirekt auch seinen Namen gaben. Der grüne Schimmer des Gebirges, so ist es inzwischen nachgewiesen, geht von den sichtbaren, äußeren Ablagerungen der Kristalle an den Hängen der Felswände aus.
Der Abbau an sich ist unaufwendig und den Kristall gab es zu diesem Zeitpunkt noch in großen Mengen. Falachit war sehr beliebt, weil er stabil aber trotzdem leicht war, jedoch nahm er auch viel Platz weg. Die Benutzung des Kristalls als Zahlungsmittel geht bis zum Jahre 449 v.N. zurück und offiziell wurde der Falachit im Jahre 23 n.N. von der Vereinigung freier Händler als Zahlungsmittel anerkannt.
Die Urform des Kristalls ist kiesförmig und hat auch im Ungefähren die Größe eines Kieselsteins bis hin zu der Größe eines Erwachsenenkopfes. Jedoch gibt es auch Vorkommen die splitterförmig sind. Nach dem Abbau wird dieser Kristall nach Möglichkeit gleich vor Ort schon zerkleinert. Da dies einen enormen Kraftaufwand bedeutete, der mit menschlicher Kraft kaum zu bewältigen war, baute man im Einzugbereich mehrerer Minen eine so genannte „Mahlpresse“, die die Kristalle zerkleinerte, bis sie annähernd die gewünschte Größe hatten.

Den Kristall gibt es in verschiedenen Schliffen, die aber keinen Qualitäts- oder Wertunterschied bedeuten, vielmehr wurde dies als eine Art Erkennungszeichen für die Herkunft des Kristalls, ähnlich einer Prägung genutzt. Es gibt sie in sechs-, acht-, zehn-, zwölf-, und sechzehnflächiger Ausführung.

Oft wurden besonders große und reine Exemplare des Falachits nicht weiter gemahlen, sondern als Schmuckstücke an den königlichen Hof in Pragoria und dort in den Kristallgarten verbaut. Die Reststücke der Kristalle, die nach dem Mahlen zu klein waren, um sie anschließend zu schleifen, fanden ausgiebige Verwendung im Schmiedehandwerk zur Veredelung von Waffen und später auch von Rüstungsteilen.
So werden für gewöhnlich die Rüstungen und Waffen neu ernannter pragorianischer Paladine feierlich bei einer Zeremonie mit einem Film dieses Materials überzogen, da es Schnittwaffen besser von der Rüstung abgleiten lässt. Der Film ist jedoch nicht grün, wie die Ursprungsfarbe, sondern nimmt nach der Veredelung einen schwarzen Ton an, da die Kristalle vorher an der Oberfläche angeschmolzen werden.


II. Zahlungsmittelwechsel/ Die Währungsreform


Schnell stieg die Beliebtheit und die Nachfrage des Kristalls als Metallbeschichtung soweit an, dass der Falachit fast überwiegend zur Veredelung von Waffen und Rüstungsteilen genutzt wurde.
Auf Befehl des amtierenden Königs, Gedeon IV. von der Eylenley, wurde somit der Falachit nur noch zu diesem Zweck abgebaut, da er darin einen großen Vorteil seiner Streitkräfte in der Schlacht sah.
Zudem schwanden die Vorkommen des Kristalls in den Minen zusehends, sodass der König Maßnahmen zu deren Erhaltung treffen musste. Somit setzte er Ende 314 n.N. den Falachit als Zahlungsmittel außer Kraft und stellte ein Handeln mit diesen kostbaren Edelsteinen sogar zeitweilig unter Strafe.

Ersatz für den Zahlungsverkehr sollte Kupfer, Silber und Gold werden, denn von all diesen Metallen waren bereits lange Zeit davor nicht nur im Moosgebirge, sondern auch im Ochsenwall und im Südwall große Vorkommen entdeckt worden. Vor allem Kupfer schien in schier unerschöpflichen Mengen da zu sein.
Somit sollten diese Metalle die Alternative zum Falachit werden und der König gab noch in den letzten Tagen des 314. Jahres den Befehl zur Prägung der ersten Münzen. Das Motiv änderte sich bis heute nicht. Auf der Vorderseite ist unter dem Seitenprofil von Gedeon IV. der Schriftzug „Pragoria Domini“ eingeprägt. Die Rückseite ist mit dem Wappen des Königreiches, dem steigenden Pferd und dem fünf-speichigen Mühlrad, umrandet von einem Eichenzweig, verziert.

Die ersten Münzen kamen gegen Mitte des 315. Jahres in Umlauf und die Währung wurde, mit Anlehnung an den Hauptabbauort der Edelmetalle, der Minensiedlung Penz am Südwall, Penzen (EZ u. MZ) genannt.
Die Umrechnung der Währung erfolgte nach dem Dezimalprinzip, das heißt zehn Kupfermünzen wurden mit einem Silberpenzen aufgewogen. Zehn Silbermünzen entsprachen einem Goldpenzen.

Zwei Jahre nach der Einführung startete der König eine Rückrufaktion der Falachitedelsteine und ließ ausrufen, er wolle Kupfer gegen umlaufende Falachitbestände im Volk im Verhältnis 2:1 tauschen. Die Rückrufung zeigte Wirkung, aber es wird vermutet, dass nicht einmal die Hälfte der privaten Falachitbestände in Staatshand übergegangen sind, da man sich noch nicht so recht vom Falachit trennen wollte und der Währungsreform eher kritisch gegenüber stand.
Doch bereits fünf Jahre danach hatte sich die Zahlung mit der Penzen-Währung im Königreich etabliert.
Eine genaue Umrechnung von Penzen in Falachit-Kristalle gab es zu diesem Zeitpunkt nicht. Heute wird ein Falachit durchschnittlicher Größe mit 30 Penzen, bzw. mit 3 Silberpenzen bewertet, da sich die Falachitbestände seitdem weiterhin verringert haben.


III. Scriptum Pretium

Fast zeitgleich mit der Einführung der Währung, ließ Gedeon IV. von der Eylenley eine Preisliste mit dem Namen „Scriptum Pretium“ herausbringen und in Kraft setzen. Sie sollte verhindern, dass Händler ihre Preise in der Übergangsphase in die Höhe trieben und sollte ein einheitliches Preisniveau schaffen.
Hierin wurden die wichtigsten Lebensmittel und Gebrauchsgüter mitsamt ihren Preisen festgelegt. Die kleinste Einheit bildete hierbei ein Krug Wasser, der mit einem Kupferpenzen bewertet wurde. Darauf ausgerichtet waren die Preise aller anderen Güter, sodass von Penzen auch oft von „Krügen“ gesprochen wurde.
Zudem wurde auch die Qualität der Güter genormt, so musste zum Beispiel ein Schwein ein gewisses Gewicht auf die Waage bringen, damit man dafür 60 Kupfer verlangen konnte. Sogar die Maße eines durchschnittlichen Hühnereis wurden bestimmt und dort festgehalten. All diese Normen ließ König Gedeon in die „Richtlinien zum Verkauf von Waren“ (RVW) mit einfließen und regelmäßig erweitern.
Diese Maßnahme ließ den Währungswechsel relativ eben ablaufen.
Nachfolgend ein Auszug aus dem „Scriptum Pretium“ mit den zum Teil noch heute gängigen Preisen.


Ware; genormte Menge/Gewicht; Preis

- ein Krug Wasser (1 Liter) 1 Kupfer
- ein Krug Wein (1 Liter) 7 Kupfer
- ein Laib Brot (3 Pfund) 4 Kupfer
- eine Hinterkeule des Schweins (6 Pfund) 12 Kupfer
- ein Hühnerei (s. RVW) 1 Kupfer
- ein Kohlkopf (2 Pfund) 3 Kupfer
- ein Pfund Käse 5 Kupfer
- ein Pfund gelbe Rüben 5 Kupfer
- ein ganzes Schwein (s. RVW) 60 Kupfer
- ein ganzes Huhn (s. RVW) 18 Kupfer
- ein ganzes Schaf (s. RVW) 45 Kupfer
- eine ganze Kuh (s. RVW) 85 Kupfer
- ein ganzer Ochse (s. RVW) 92 Kupfer
- ein Pferd (s. RVW) 100 Kupfer
- ein Sack mit Getreide (20 Pfund) 25 Kupfer
- ein Meter Brennholz 38 Kupfer
- ein Sack Kohle (20 Pfund) 30 Kupfer
- ein Pfund Salz 42 Kupfer
- ein Meter Leinen aus Baumwolle 17 Kupfer
- ein Pfund Eisenerz 23 Kupfer
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von Christoph Bülow